Was an Elektroautos wirklich nervt

EIN ARTIKEL VON LAURA BOECK (12.12.2017)
https://ze.tt/author/laura-boeck/

Kurze Reichweite, schlechte Infrastruktur, zu teuer? Es gibt viele Vorurteile darüber, was am Elektroauto stört. Nach zwei Jahren mit einem weiß Laura Boeck, was wirklich nervt.

„Du wirst angeschaut wie ein Außerirdischer“: Was an Elektroautos wirklich nervt.

Mein Verlobter und ich entschieden uns im Frühjahr des vergangenen Jahres dazu, ein Elektroauto zu kaufen. Nicht, weil wir die Umwelt retten wollen. Einfach nur, weil uns die Technologie und das angenehme elektrische Fahren begeisterten: kein nerviges Kuppeln und Schalten, die Kraft ist immer sofort voll da. Dazu fährt man sehr leise, was gerade bei längeren Fahrten angenehm ist. Weitere Vorteile wie kostenloses Stromtanken und die Befreiung von der Kfz-Steuer kommen hinzu.

Nun sind wir fast zwei Jahre sehr zufrieden mit unserem Elektroauto unterwegs. Trotzdem gibt es einige Dinge, die wirklich nerven, wenn man Elektroauto fährt:

1. Du stehst immer im Mittelpunkt und wirst angesehen wie ein Außerirdischer

Gerade an Orten mit vielen Leuten, wie etwa Autobahnrastplätzen oder mitten in der Innenstadt, bilden sich schnell große Trauben um dein Auto, noch bevor du überhaupt aussteigen kannst. Die Leute starren dich und dein Gefährt mit großen Augen an. Einige trauen sich sogar, dir Fragen zu stellen. Ja, das ist wirklich ein richtiges Elektroauto und das fährt wirklich nur mit Strom!

Unser persönliches Highlight war ein ganzer Reisebus voller Rentner*innen, die sich nach dem Aussteigen um unser Auto versammelt hatten und deren Fragen wir beantworten mussten. Wenn du nicht gerne mit fremden Menschen sprichst, solltest du lieber kein Elektroauto fahren.

2. Die Veganer*innen unter den Autofahrer*innen

Kennst du diese Gespräche, die sich entwickeln, wenn sich in der Runde eine Person als Veganer*in outet? Plötzlich sind alle anderen Ernährungsexpert*innen; erklären, dass der Mensch ja schon immer Fleisch gegessen hat, dass das ja gar nicht gesund sein kann und dem*derjenigen Vitamine, Proteine und sonst was fehlen. Außerdem ist das ja viel zu einseitig, dauernd nur Gemüse essen – sagt dann ausgerechnet die Person, die täglich nur Schnitzel mit Pommes verspeist.

Genauso ist es als Elektroautofahrer*in unter den überzeugten Fans von Verbrennerautos. War es beim eigenen Auto noch völlig egal, wie umwelt(un)freundlich die Herstellung ist, wie viel Abgase man in die Luft bläst oder dass Benzin auch nicht auf Bäumen wächst, sondern für die Herstellung Erdöl gefördert werden muss, wird man als Elektroautofahrer*in gleich darauf hingewiesen, dass die Batterie-Herstellung eine einzige Katastrophe für die Umwelt sei und dass man letztendlich auch nur mit Kohle- oder Atomstrom fahren würde.

Und außerdem die Reichweite! Da kommt man ja nur bis zur nächsten Straßenecke und muss dann erst einmal stundenlang das Auto wieder aufladen.

Lässt man sich auf eine solche Diskussion ein und räumt die gängigen Vorurteile aus dem Weg, reagiert der*die Gesprächspartner*in am Ende doch wieder wie Fleischesser*innen: Naja, gut und schön, aber für mich wär das ja nichts!

3. Elektromobilität wird nicht ernst genommen und nicht zu Ende gedacht

Mittlerweile betreiben viele Städte und andere Einrichtungen Ladestationen für Elektroautos. Doch gewinnt man oft den Eindruck, dass dieses eher für das grüne Image getan wird und man sich nicht ernsthaft Gedanken zum tatsächlichen Anwendungsfall gemacht hat.

So standen wir einige Male vor Ladestationen auf einem eingezäunten Gelände, welches nur Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr zugänglich ist. Wer fährt denn schon abends oder am Wochenende mit dem Auto? Defekte Ladesäulen werden zudem ewig nicht repariert – Auskunft der Notfallhotline: Ja, die ist schon länger kaputt, aber da lädt doch sowieso keiner.

Man merkt sehr oft, dass sich niemand in die Lage der Elektroautofahrer*innen versetzt. Das ist sehr schade. Trotzdem überwiegen bei uns die positiven Erfahrungen und die freundlichen Begegnungen.

Wie an einem Autohaus in Mecklenburg, in dem uns der Chef persönlich noch einen Kaffee anbot als Entschädigung dafür, dass die Schnellade-Station nicht funktionierte und wir nur an der langsamen laden konnten. Toll ist auch der Zusammenhalt unter den E-Autofahrer*innen, die wie eine kleine eingeschworene Gemeinde sind und mit denen man solche Probleme teilt. Und letztendlich auch das Wissen, in einigen Jahren sagen zu können: Wir hatten schon ein Elektroauto, bevor es cool war.

«Nachhaltige Geschäftsmodelle nehmen zu»

_MG_0026bJürgen Schulz, Inhaber Schulz Kommunikation ist Initiant und Projektleiter der Klimaplattform der Wirtschaft Region Basel

kmu news 9/17 –  Gewerbeverband Basel-Stadt – September 2017

Klimaplattform der Wirtschaft Region Basel

Jürgen Schulz hat vor drei Jahren die Klimaplattform der Wirtschaft Region Basel ins Leben gerufen. Der Gewerbeverband Basel-Stadt unterstützt die Plattform als Partner. Im Interview mit den «kmu news» berichtet Jürgen Schulz über die weitere Entwicklung und sagt, warum das Thema Nachhaltigkeit auch für KMU zentral ist.

«kmu news»: Wie ist die Klimaplattform der Wirtschaft Region Basel gestartet?
Jürgen Schulz:
Wir sind gut unterwegs. Wichtig ist für mich, dass die Partner zufrieden sind und dass wir inhaltlich interessante Anlässe durchführen. Ich denke, das ist uns mit den bisherigen dreizehn Business-Lunches gelungen.

Was ist das Ziel der Klimaplattform?
Das Ziel ist, dass eine Community für nachhaltiges und ökologisches Wirtschaften entsteht. Wir wollen Impulse setzen, dass dieses Thema noch relevanter wird. In diesem Netzwerk werden nicht nur Praxisbeispiele aufgezeigt, sondern die Unternehmen wissen auch, wer ihnen bei ganz konkreten Fragestellungen weiterhelfen kann. Im Zentrum steht der niederschwellige, direkte Austausch – unter den Firmen und mit der öffentlichen Hand.

Sie haben die Klimaplattform zuerst in Bern aufgebaut und nun in Basel. Gibt es Unterschiede?
Es ist auffallend, dass in Basel die Mund-zuMund-Propaganda sehr gut und rasch funktioniert. Etwas spricht sich in Basel schnell herum. Die Business-Lunches sind jeweils in wenigen Stunden ausgebucht. Darauf sind wir stolz.

An welche Firmen richten sich die Business-Lunches?
An alle Firmen, die am Thema Nachhaltigkeit und ökologisches Wirtschaften interessiert sind und konkrete Schritte vorwärts machen möchten. Die Gastgeber-Unternehmen müssen ein konkretes Projekt umgesetzt haben, das sie präsentieren können. Die Bandbreite der möglichen Themen ist gross und kann auch Projekte zur sozialen Nachhaltigkeit umfassen. Wir möchten zukünftig vermehrt auch kleineren und gewerblichen Firmen ermöglichen, Business-Lunches bei sich durchzuführen.

Welchen Mehrwert haben die Gastgeber-Firmen?
In erster Linie einen positiven Werbeeffekt. Dank unserer Partner – darunter auch der Gewerbeverband Basel-Stadt – werden mit der Einladung zu den Anlässen über 6000 Firmen angesprochen. Um eine Botschaft, eine Marke oder eine strategische Ausrichtung eines Unternehmens zu transportieren ist das eine interessante Zielgruppe.

Wie geht es weiter mit der Klimaplattform der Wirtschaft Region Basel?
Wir führen das erfolgreiche Konzept der Business-Lunches konsequent weiter. Zudem möchten wir punktuell den Service ausbauen. Zum Beispiel mit einem Gratis-ÖV-Ticket für alle Veranstaltungsteilnehmer. Ein Projekt ist auch die Klimaplattform-App. Die Klimaplattform ist bis jetzt bewusst ein analoges Format mit vier physischen Treffen pro Jahr. Mit der App wollen wir den Austausch über diese Treffen hinaus tragen in ein digitales Netzwerk – sachlich, unaufgeregt und ohne ständige Push-Nachrichten.

Kann es sich heute ein Unternehmen überhaupt noch leisten, die Themen Nachhaltigkeit und Ökologie zu ignorieren?
Das ist eine Frage der Zeitachse. Kurzfristig kann das vielleicht noch einige Jahre gutgehen. Aber die Veränderungen kommen. Wir müssen uns jetzt damit auseinandersetzen. Wer nicht mit nachhaltigen Lösungen antworten kann, ist vielleicht bald weg vom Fenster. Das betrifft auch KMU. Denn viele Grossunternehmen verpflichten sich der Nachhaltigkeit, und wenn man als Zulieferer diesen Anspruch nicht erfüllen kann, hat man schlechte Karten.

Wie sehen Sie die Rolle des Gesetzgebers, des Regulators?
Je unideologischer die Herausforderungen des Klimawandels und der Energiewende angegangen werden desto besser. Der Regulator soll sich auf wenige klare Vorgaben beschränken und der Wirtschaft Zeit geben, das Thema selber zu erledigen. Ich halte nichts von gross angelegten Fördermassnahmen. Lieber konkret und im Kleinen. Nachhaltige Geschäftsmodelle, die funktionieren, nehmen zu und werden Nachahmer finden. Ich spreche in diesem Zusammenhang oft vom «Popcorn-Effekt».

Wo besteht Ihrer Meinung nach am meisten Handlungsbedarf?
Klimaschädigende Teribhausgase in die Luft zu pusten, ist zu billig. Damit leben wir auf Kosten der zukünftigen Generationen. Der Verteilkampf um knapper werdende Ressourcen wird mit fortschreitendem Klimawandel zunehmen. Wir müssen jetzt handeln und nachhaltiges Wirtschaften voranbringen.

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Das starke Klimaschutz-Netzwerk in Basel
Seit drei Jahren gibt es die Klimaplattform der Wirtschaft Region Basel. Der Gewerbeverband Basel-Stadt ist von Anfang an als Partner mit dabei. Vom Mai 2014 bis August 2017 hat die Klimaplattform 13 Business-Lunches durchgeführt. Insgesamt waren 1978 Teilnehmende dabei, die 342 verschiedene Unternehmen repräsentierten. Die Klimaplattform der Wirtschaft der Region Basel wird zu 80 Prozent von der Wirtschaft und zu 20 Prozent von der öffentlichen Hand finanziert.

 

Klimaplattform der Wirtschaft Zürich feierlich gegründet!

Am Freitag, 18. August 2017 wurde bei FREITAG lab. ag die Klimaplattform der Wirtschaft Zürich feierlich aus der Taufe gehoben!

138 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 101 verschiedenen Unternehmen erlebten im NŒRD-Gebäude in Zürich-Oerlikon:

  • die Glückwünsche von Regierungsrätin Jacqueline Fehr
  • die Begrüssung durch Daniel Freitag, Inhaber FREITAG lab. ag,
  • den feierlichen Gründungsakt mit Gemeinderat Reto Nause, Stadt Bern, Thomas Fisch, Amt für Umwelt und Energie des Kantons Basel-Stadt, Dr. François Aellen, Umwelt- und Gesundheitsschutz Stadt Zürich, Barbara Jordan, Zürich Versicherungs-Gesellschaft AG und Manuel Schneider, LOSINGER MARAZZI AG
  • das spannende Hauptreferat von Christian Schori, COO FREITAG lab. ag
  • die Rundgänge durch die Produktionshallen von FREITAG mit Lena Fisler, Specialist Brand Communication, Peter Alge, CFO und Christian Schori
  • den gemütliche Grill-Lunch mit viel Sonne und Networking auf der Terrasse der NŒRD-Kantine, dem auch Markus Freitag, Inhaber FREITAG lab. ag, beiwohnte und von Anja Berger und ihrem Team betreut wurde

Christian Schori, COO FREITAG, präsentierte, wie FREITAG immer wieder nach neuen Themen der Kreislaufwirtschaft sucht, um diese in die Realität umzusetzen. Das Unternehmen denkt und handelt ganzheitlich nachhaltig. Durch Lebenszyklusanalysen werden die grössten Umweltbelastungen erkannt und Massnahmen für deren Minderung beschlossen und kontinuierlich umgesetzt. Christian Schori hat deutlich hervorgehoben, dass Nachhaltigkeit Investitionen und langfristiges Denken bedingen, Mut benötigt und in der DNA eines Unternehmens verankert sein muss. Sichtbar wird dies bei FREITAG auch im Management, das auf eine sinnstiftenden Form der Zusammenarbeit zielt – ganz nach dem Motto «we think and act in cycle».

Moderiert wurde der Gründungsevent und 1. Business Lunch von Jürgen Schulz, Inhaber Schulz Kommunikation und Initiant der Klimaplattform der Wirtschaft Zürich.

Videofilm ansehen!
Hier können Sie den Videofilm über den Gründungsevent und 1. Business Lunch anschauen

Fotos betrachten!
Hier können Sie die Fotos vom Gründungsevent und 1. Business Lunch betrachten

Präsentation studieren!
Hier können Sie die Präsentation von Christian Schori «We think and act in cycle» durchklicken

Website Klimaplattform der Wirtschaft Zürich

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«World Overshoot Day»

Am 2. August ist er wieder – der «World Overshoot Day»: Heute haben wir alle Ressourcen, die uns für das ganze Jahr 2017 rechnerisch zur Verfügung stehen, aufgebraucht.

Ab heute 2. August 2017 leben wir bis zum Ende des Jahres auf Kosten unserer nachfolgenden Generationen.

Jahr für Jahr rückt dieser Tag im Kalender leider weiter nach vorne.

Es ist also höchste Zeit für einen nachhaltigeren Lebensstil und ein nachhaltiges Wirtschaften.

Jürgen Schulz