Globale Umweltressourcen werden übernutzt

Globale Umweltressourcen werden übernutzt – auch die Schweiz trägt dazu bei

Die Pro-Kopf-Gesamtumweltbelastung der Schweiz ist in den letzten 20 Jahren gesunken. Dies vor allem dank Erfolgen im Inland. Im Ausland belasten die Schweizerinnen und Schweizer die Umwelt hingegen stärker, was auf Kosten des Klimas, der Biodiversität und der Verfügbarkeit von Wasser geht. Die Gesamtumweltbelastung der Schweiz überschreitet das verträgliche Mass um mehr als das Dreifache. Dies zeigt die neuste Studie des Bundesamts für Umwelt BAFU für den Zeitraum von 1996 bis 2015.

Bern, 10.09.2018

Bundesamt für Umwelt BAFU

2015 betrugen die externen Kosten der Mobilität 12.8 Milliarden Franken

Ittigen, 05.07.2018 – Auf 12.8 Milliarden Franken belaufen sich die nicht von den Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern übernommenen Umwelt-, Gesundheits- und Unfallkosten im Jahr 2015. Sie fallen hauptsächlich wegen Schadstoffausstoss, Verkehrslärm und Unfällen an. Die Resultate stellt das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) in seiner Publikation «Externe Kosten und Nutzen des Verkehrs in der Schweiz» vor.

Der Schweizer Verkehr auf Strasse, Schiene, Wasser und in der Luft verursachte 2015 Umwelt-, Gesundheits- und nicht gedeckte Unfallkosten von 12.8 Milliarden Franken. Diese Kosten schlagen sich nicht im Preis der Mobilität nieder und werden deshalb als extern bezeichnet. 9.2 Milliarden Franken entstehen durch den motorisierten privaten Verkehr auf der Strasse und 950 Millionen durch den Langsamverkehr. Bei Letzterem sind es vor allem selber verursachte, aber nicht selber getragene Unfallkosten, die zu Buche schlagen. Hingegen sind Luftverschmutzung inklusive CO2-Ausstoss sowie Lärm die hauptsächlichen Kostenkategorien beim motorisierten Privatverkehr. Der öffentliche Verkehr auf der Strasse (Bus, Tram) verursacht externe Kosten von 250 Millionen Franken. Im Luftverkehr fällt der grösste Teil der 1.2 Milliarden Franken an externen Kosten wegen dem CO2-Ausstoss an. Der Schienenverkehr ist für externe Kosten in der Höhe von 1.1 Milliarde Franken verantwortlich, der Schiffsverkehr für knapp 100 Millionen Franken.

 

Medienmitteilung Bundesamt für Raumentwicklung

 

Was an Elektroautos wirklich nervt

EIN ARTIKEL VON LAURA BOECK (12.12.2017)
https://ze.tt/author/laura-boeck/

Kurze Reichweite, schlechte Infrastruktur, zu teuer? Es gibt viele Vorurteile darüber, was am Elektroauto stört. Nach zwei Jahren mit einem weiß Laura Boeck, was wirklich nervt.

„Du wirst angeschaut wie ein Außerirdischer“: Was an Elektroautos wirklich nervt.

Mein Verlobter und ich entschieden uns im Frühjahr des vergangenen Jahres dazu, ein Elektroauto zu kaufen. Nicht, weil wir die Umwelt retten wollen. Einfach nur, weil uns die Technologie und das angenehme elektrische Fahren begeisterten: kein nerviges Kuppeln und Schalten, die Kraft ist immer sofort voll da. Dazu fährt man sehr leise, was gerade bei längeren Fahrten angenehm ist. Weitere Vorteile wie kostenloses Stromtanken und die Befreiung von der Kfz-Steuer kommen hinzu.

Nun sind wir fast zwei Jahre sehr zufrieden mit unserem Elektroauto unterwegs. Trotzdem gibt es einige Dinge, die wirklich nerven, wenn man Elektroauto fährt:

1. Du stehst immer im Mittelpunkt und wirst angesehen wie ein Außerirdischer

Gerade an Orten mit vielen Leuten, wie etwa Autobahnrastplätzen oder mitten in der Innenstadt, bilden sich schnell große Trauben um dein Auto, noch bevor du überhaupt aussteigen kannst. Die Leute starren dich und dein Gefährt mit großen Augen an. Einige trauen sich sogar, dir Fragen zu stellen. Ja, das ist wirklich ein richtiges Elektroauto und das fährt wirklich nur mit Strom!

Unser persönliches Highlight war ein ganzer Reisebus voller Rentner*innen, die sich nach dem Aussteigen um unser Auto versammelt hatten und deren Fragen wir beantworten mussten. Wenn du nicht gerne mit fremden Menschen sprichst, solltest du lieber kein Elektroauto fahren.

2. Die Veganer*innen unter den Autofahrer*innen

Kennst du diese Gespräche, die sich entwickeln, wenn sich in der Runde eine Person als Veganer*in outet? Plötzlich sind alle anderen Ernährungsexpert*innen; erklären, dass der Mensch ja schon immer Fleisch gegessen hat, dass das ja gar nicht gesund sein kann und dem*derjenigen Vitamine, Proteine und sonst was fehlen. Außerdem ist das ja viel zu einseitig, dauernd nur Gemüse essen – sagt dann ausgerechnet die Person, die täglich nur Schnitzel mit Pommes verspeist.

Genauso ist es als Elektroautofahrer*in unter den überzeugten Fans von Verbrennerautos. War es beim eigenen Auto noch völlig egal, wie umwelt(un)freundlich die Herstellung ist, wie viel Abgase man in die Luft bläst oder dass Benzin auch nicht auf Bäumen wächst, sondern für die Herstellung Erdöl gefördert werden muss, wird man als Elektroautofahrer*in gleich darauf hingewiesen, dass die Batterie-Herstellung eine einzige Katastrophe für die Umwelt sei und dass man letztendlich auch nur mit Kohle- oder Atomstrom fahren würde.

Und außerdem die Reichweite! Da kommt man ja nur bis zur nächsten Straßenecke und muss dann erst einmal stundenlang das Auto wieder aufladen.

Lässt man sich auf eine solche Diskussion ein und räumt die gängigen Vorurteile aus dem Weg, reagiert der*die Gesprächspartner*in am Ende doch wieder wie Fleischesser*innen: Naja, gut und schön, aber für mich wär das ja nichts!

3. Elektromobilität wird nicht ernst genommen und nicht zu Ende gedacht

Mittlerweile betreiben viele Städte und andere Einrichtungen Ladestationen für Elektroautos. Doch gewinnt man oft den Eindruck, dass dieses eher für das grüne Image getan wird und man sich nicht ernsthaft Gedanken zum tatsächlichen Anwendungsfall gemacht hat.

So standen wir einige Male vor Ladestationen auf einem eingezäunten Gelände, welches nur Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr zugänglich ist. Wer fährt denn schon abends oder am Wochenende mit dem Auto? Defekte Ladesäulen werden zudem ewig nicht repariert – Auskunft der Notfallhotline: Ja, die ist schon länger kaputt, aber da lädt doch sowieso keiner.

Man merkt sehr oft, dass sich niemand in die Lage der Elektroautofahrer*innen versetzt. Das ist sehr schade. Trotzdem überwiegen bei uns die positiven Erfahrungen und die freundlichen Begegnungen.

Wie an einem Autohaus in Mecklenburg, in dem uns der Chef persönlich noch einen Kaffee anbot als Entschädigung dafür, dass die Schnellade-Station nicht funktionierte und wir nur an der langsamen laden konnten. Toll ist auch der Zusammenhalt unter den E-Autofahrer*innen, die wie eine kleine eingeschworene Gemeinde sind und mit denen man solche Probleme teilt. Und letztendlich auch das Wissen, in einigen Jahren sagen zu können: Wir hatten schon ein Elektroauto, bevor es cool war.

«Nachhaltige Geschäftsmodelle nehmen zu»

_MG_0026bJürgen Schulz, Inhaber Schulz Kommunikation ist Initiant und Projektleiter der Klimaplattform der Wirtschaft Region Basel

kmu news 9/17 –  Gewerbeverband Basel-Stadt – September 2017

Klimaplattform der Wirtschaft Region Basel

Jürgen Schulz hat vor drei Jahren die Klimaplattform der Wirtschaft Region Basel ins Leben gerufen. Der Gewerbeverband Basel-Stadt unterstützt die Plattform als Partner. Im Interview mit den «kmu news» berichtet Jürgen Schulz über die weitere Entwicklung und sagt, warum das Thema Nachhaltigkeit auch für KMU zentral ist.

«kmu news»: Wie ist die Klimaplattform der Wirtschaft Region Basel gestartet?
Jürgen Schulz:
Wir sind gut unterwegs. Wichtig ist für mich, dass die Partner zufrieden sind und dass wir inhaltlich interessante Anlässe durchführen. Ich denke, das ist uns mit den bisherigen dreizehn Business-Lunches gelungen.

Was ist das Ziel der Klimaplattform?
Das Ziel ist, dass eine Community für nachhaltiges und ökologisches Wirtschaften entsteht. Wir wollen Impulse setzen, dass dieses Thema noch relevanter wird. In diesem Netzwerk werden nicht nur Praxisbeispiele aufgezeigt, sondern die Unternehmen wissen auch, wer ihnen bei ganz konkreten Fragestellungen weiterhelfen kann. Im Zentrum steht der niederschwellige, direkte Austausch – unter den Firmen und mit der öffentlichen Hand.

Sie haben die Klimaplattform zuerst in Bern aufgebaut und nun in Basel. Gibt es Unterschiede?
Es ist auffallend, dass in Basel die Mund-zuMund-Propaganda sehr gut und rasch funktioniert. Etwas spricht sich in Basel schnell herum. Die Business-Lunches sind jeweils in wenigen Stunden ausgebucht. Darauf sind wir stolz.

An welche Firmen richten sich die Business-Lunches?
An alle Firmen, die am Thema Nachhaltigkeit und ökologisches Wirtschaften interessiert sind und konkrete Schritte vorwärts machen möchten. Die Gastgeber-Unternehmen müssen ein konkretes Projekt umgesetzt haben, das sie präsentieren können. Die Bandbreite der möglichen Themen ist gross und kann auch Projekte zur sozialen Nachhaltigkeit umfassen. Wir möchten zukünftig vermehrt auch kleineren und gewerblichen Firmen ermöglichen, Business-Lunches bei sich durchzuführen.

Welchen Mehrwert haben die Gastgeber-Firmen?
In erster Linie einen positiven Werbeeffekt. Dank unserer Partner – darunter auch der Gewerbeverband Basel-Stadt – werden mit der Einladung zu den Anlässen über 6000 Firmen angesprochen. Um eine Botschaft, eine Marke oder eine strategische Ausrichtung eines Unternehmens zu transportieren ist das eine interessante Zielgruppe.

Wie geht es weiter mit der Klimaplattform der Wirtschaft Region Basel?
Wir führen das erfolgreiche Konzept der Business-Lunches konsequent weiter. Zudem möchten wir punktuell den Service ausbauen. Zum Beispiel mit einem Gratis-ÖV-Ticket für alle Veranstaltungsteilnehmer. Ein Projekt ist auch die Klimaplattform-App. Die Klimaplattform ist bis jetzt bewusst ein analoges Format mit vier physischen Treffen pro Jahr. Mit der App wollen wir den Austausch über diese Treffen hinaus tragen in ein digitales Netzwerk – sachlich, unaufgeregt und ohne ständige Push-Nachrichten.

Kann es sich heute ein Unternehmen überhaupt noch leisten, die Themen Nachhaltigkeit und Ökologie zu ignorieren?
Das ist eine Frage der Zeitachse. Kurzfristig kann das vielleicht noch einige Jahre gutgehen. Aber die Veränderungen kommen. Wir müssen uns jetzt damit auseinandersetzen. Wer nicht mit nachhaltigen Lösungen antworten kann, ist vielleicht bald weg vom Fenster. Das betrifft auch KMU. Denn viele Grossunternehmen verpflichten sich der Nachhaltigkeit, und wenn man als Zulieferer diesen Anspruch nicht erfüllen kann, hat man schlechte Karten.

Wie sehen Sie die Rolle des Gesetzgebers, des Regulators?
Je unideologischer die Herausforderungen des Klimawandels und der Energiewende angegangen werden desto besser. Der Regulator soll sich auf wenige klare Vorgaben beschränken und der Wirtschaft Zeit geben, das Thema selber zu erledigen. Ich halte nichts von gross angelegten Fördermassnahmen. Lieber konkret und im Kleinen. Nachhaltige Geschäftsmodelle, die funktionieren, nehmen zu und werden Nachahmer finden. Ich spreche in diesem Zusammenhang oft vom «Popcorn-Effekt».

Wo besteht Ihrer Meinung nach am meisten Handlungsbedarf?
Klimaschädigende Teribhausgase in die Luft zu pusten, ist zu billig. Damit leben wir auf Kosten der zukünftigen Generationen. Der Verteilkampf um knapper werdende Ressourcen wird mit fortschreitendem Klimawandel zunehmen. Wir müssen jetzt handeln und nachhaltiges Wirtschaften voranbringen.

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Das starke Klimaschutz-Netzwerk in Basel
Seit drei Jahren gibt es die Klimaplattform der Wirtschaft Region Basel. Der Gewerbeverband Basel-Stadt ist von Anfang an als Partner mit dabei. Vom Mai 2014 bis August 2017 hat die Klimaplattform 13 Business-Lunches durchgeführt. Insgesamt waren 1978 Teilnehmende dabei, die 342 verschiedene Unternehmen repräsentierten. Die Klimaplattform der Wirtschaft der Region Basel wird zu 80 Prozent von der Wirtschaft und zu 20 Prozent von der öffentlichen Hand finanziert.